„Selbsttest“ ist ein Sammelbegriff für sehr unterschiedliche Produkte. Gemeinsam ist ihnen nur, dass der Hersteller sie ausdrücklich für die Anwendung durch Laien bestimmt hat und dass eine Probe außerhalb des Körpers untersucht wird. Was sie prüfen, wie sie angewendet werden und was das Ergebnis wert ist, unterscheidet sich stark. Dieser Überblick sortiert das Feld.

Auf einen Blick

  • Infektionstests: einzelne Erreger oder Kombitests für mehrere Atemwegserreger.
  • Urin- und Teststreifen: halbquantitative Hinweise auf Leukozyten, Nitrit, Eiweiß, Blut, Glukose.
  • Stoffwechsel- und Gesundheitstests: etwa Ferritin, CRP oder PSA.
  • Zyklus und Kinderwunsch: LH- und Fruchtbarkeitstests.
  • Sicherheitstests für unterwegs: Alkohol- und Getränketests.
  • Alle sind In-vitro-Diagnostika mit CE-Kennzeichnung – und alle liefern Hinweise, keine Diagnosen.

1. Tests auf Atemwegsinfektionen

Die größte Gruppe. Antigentests weisen Eiweißbestandteile eines Erregers in einem Nasen-, Rachen- oder Speichelabstrich nach. Neben den reinen SARS-CoV-2-Tests haben sich Kombitests durchgesetzt, die aus einem Abstrich mehrere Erreger gleichzeitig prüfen – typischerweise SARS-CoV-2, Influenza A und B sowie RSV. Das ist praktisch, weil sich die Beschwerden im Alltag kaum unterscheiden lassen.

Angeboten werden 2-in-1- bis 12-in-1-Formate. Der DeepBlue 5-in-1 Kombi-Schnelltest deckt zusätzlich Adenoviren ab; Produkte mit noch breiterem Panel wie das Dvot Multiplex-Testkit auf 9 Atemwegsinfektionen richten sich eher an Praxen und den professionellen Einsatz. Wichtig: Ein breiteres Panel heißt nicht automatisch genauer – jede einzelne Nachweislinie hat ihre eigenen Leistungsdaten.

2. Bakterielle Schnelltests

Strep-A-Tests prüfen mit einem Rachenabstrich auf Streptokokken der Gruppe A, die hinter einem Teil der Halsentzündungen und hinter Scharlach stehen. Sie sind für Menschen mit Symptomen gedacht, nicht als Reihenuntersuchung. Ein positives Ergebnis gehört ärztlich bestätigt, weil die Entscheidung über eine antibiotische Behandlung ärztlich getroffen wird.

3. Urin- und Teststreifen

Teststreifen zeigen mehrere Parameter gleichzeitig in Farbfeldern an: Leukozyten und Nitrit als Hinweise auf einen bakteriellen Harnwegsinfekt, Eiweiß als Hinweis auf die Nierenfunktion, Blut, Glukose, Ketone und den pH-Wert. Die Auswertung ist halbquantitativ – Sie vergleichen Farben mit einer Skala, Sie erhalten keinen exakten Messwert. Abgelesen wird nach festen Zeiten, spätere Farbänderungen zählen nicht mehr. Ein positiver Nitritnachweis, dauerhaft nachweisbares Eiweiß, sichtbares Blut im Urin oder Zucker ohne bekannte Diabetesdiagnose gehören in ärztliche Hände.

4. Stoffwechsel- und Gesundheitstests

Diese Gruppe arbeitet meist mit einem Tropfen Kapillarblut. Ferritin-Tests geben einen Hinweis auf die Eisenspeicher, CRP-Tests auf Entzündungsaktivität, PSA-Tests auf das prostataspezifische Antigen. Allen gemeinsam ist: Sie liefern einen groben Bereich, keinen Laborwert mit Referenzintervall. Der PRIMA Prostata-PSA-Selbsttest ist damit kein Vorsorgeprogramm, sondern bestenfalls ein Anlass, das Thema in der Ordination anzusprechen. Wer seinen Eisenstatus im Blick behalten will, findet Hintergründe in Eisen für Frauen, zum Thema Prostata und Männergesundheit in Männergesundheit ab 40.

5. Zyklus, Kinderwunsch und Fruchtbarkeit

Ovulationstests messen das luteinisierende Hormon im Urin; sein Anstieg kündigt den Eisprung in der Regel 24 bis 36 Stunden vorher an. Getestet wird über mehrere Tage zur gleichen Tageszeit, beginnend etwa 17 Tage vor dem erwarteten Zyklusende. Hormonpräparate, bestimmte Erkrankungen wie Eierstockzysten sowie stark verdünnter Urin können das Ergebnis beeinflussen. Schwangerschaftstests weisen hCG nach, Spermientests die Spermienkonzentration – beide qualitativ, also als Ja/Nein-Aussage.

6. Tests für Sicherheit und Alltag

Alkoholtests aus Speichel geben eine grobe Orientierung über den Alkoholgehalt; sie sind kein amtliches Messgerät und keine Grundlage für die Entscheidung, ob jemand fahren darf. Getränketests auf K.-o.-Tropfen und Drogenschnelltests aus Urin oder Speichel arbeiten ebenfalls mit Farbreaktionen und liefern Verdachtsmomente. Der We Test Alkoholtest ist ein typisches Beispiel für diese Gruppe.

Was die CE-Kennzeichnung bedeutet

Alle diese Produkte sind In-vitro-Diagnostika und fallen unter die EU-Verordnung 2017/746 (IVDR). Ein „Produkt zur Eigenanwendung“ ist dort definiert als ein Produkt, das vom Hersteller zur Anwendung durch Laien bestimmt ist. Nach Anhang VIII werden Selbsttests grundsätzlich in Klasse C eingestuft; Ausnahmen wie Schwangerschafts-, Fruchtbarkeits-, Cholesterin- und einfache Urintests fallen in Klasse B. In beiden Fällen ist eine Benannte Stelle in die Konformitätsbewertung eingebunden. Deshalb steht auf einem Selbsttest hinter dem CE-Zeichen immer eine vierstellige Kennnummer – etwa CE 1434. Sie ist die Kennnummer der Prüfstelle, nicht eine Gütenote: Die CE-Kennzeichnung belegt das durchlaufene Verfahren, nicht die Eignung für Ihren konkreten Fall.

Welcher Test passt wann?

  • Akute Erkältungssymptome, unklar welcher Erreger: Kombitest auf mehrere Atemwegserreger.
  • Plötzliche Halsschmerzen mit Fieber: Strep-A-Test, anschließend ärztliche Abklärung.
  • Brennen beim Wasserlassen: Urinteststreifen als erster Hinweis – und ärztliche Abklärung, besonders in Schwangerschaft, bei Fieber oder Flankenschmerz.
  • Müdigkeit ohne erkennbaren Grund: Ein Ferritin-Test kann ein Hinweis sein, ersetzt aber kein Blutbild.
  • Kinderwunsch: LH-Tests über mehrere Zyklen, ergänzt durch Zyklusbeobachtung.

Lagerung und Haltbarkeit

Maßgeblich ist immer die Packungsbeilage. Üblich ist eine Lagerung zwischen 2 und 30 °C, trocken, dunkel und in der ungeöffneten Folie. Frost, direkte Sonne, das Handschuhfach im Sommer und die Fensterbank schaden gleichermaßen. Nach Ablauf des aufgedruckten Verfallsdatums gehört ein Test entsorgt, nicht verwendet – die Reagenzien verlieren an Aktivität, ohne dass man das sieht.

Das gesamte Sortiment finden Sie unter Selbsttests & Diagnostik. Wie ein Test korrekt durchgeführt wird, steht in Selbsttests richtig anwenden; wie aussagekräftig ein Ergebnis ist, erklärt Was ein Selbsttest aussagt – und was nicht.

Häufige Fragen

Ist ein Kombitest besser als ein Einzeltest?

Nicht grundsätzlich. Er ist praktischer, weil ein Abstrich für mehrere Fragestellungen reicht. Jede Nachweislinie hat aber eigene Leistungsdaten, die in der Packungsbeilage stehen.

Was bedeutet die Zahl hinter dem CE-Zeichen?

Es ist die Kennnummer der Benannten Stelle, die die Konformitätsbewertung durchgeführt hat. Bei Selbsttests ist eine solche Stelle immer eingebunden.

Darf ich einen Profi-Test als Laie verwenden?

Entscheidend ist die Zweckbestimmung des Herstellers. Tests für den professionellen Gebrauch sind für geschultes Personal validiert; die Anwendung durch Laien ist dort nicht vorgesehen.

Hinweis: Selbsttests dienen der Orientierung und ersetzen keine ärztliche Untersuchung, Beratung oder Diagnose. Maßgeblich sind Zweckbestimmung und Gebrauchsanweisung des jeweiligen Produkts. Bei anhaltenden oder schweren Beschwerden wenden Sie sich bitte an Arzt oder Apotheke.

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